Kein Schritt ohne Risiko - Als Soldat in Afghanistan
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Description:Kein Schritt ohne Risiko - Als Soldat in Afghanistan Für Heinz Sonnenstrahl ist alles unwichtig geworden. "Nach meinem Einsatz in
Afghanistan jucken mich weder eine kaputte Waschmaschine noch eine unaufgeräumte
Küche. Das ist mir einfach egal." Nicht einmal die Beziehung zu seiner
Lebensgefährtin Monika von Heeg hat noch eine Bedeutung: Seine
Lebenswirklichkeit hat sich nach sechs Monaten Einsatz in Kunduz völlig
verschoben. "Seitdem er zurück ist, redet er nicht mehr. Ich weiß überhaupt
nicht m...Für Heinz Sonnenstrahl ist alles unwichtig geworden. "Nach meinem Einsatz in
Afghanistan jucken mich weder eine kaputte Waschmaschine noch eine unaufgeräumte
Küche. Das ist mir einfach egal." Nicht einmal die Beziehung zu seiner
Lebensgefährtin Monika von Heeg hat noch eine Bedeutung: Seine
Lebenswirklichkeit hat sich nach sechs Monaten Einsatz in Kunduz völlig
verschoben. "Seitdem er zurück ist, redet er nicht mehr. Ich weiß überhaupt
nicht mehr, was mit ihm los ist", beschreibt Monika von Heeg das klassische
Symptom einer Traumatisierung. Sonnenstrahl selbst weiß nicht, ob er unter einer
posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Er hat zur Eigentherapie gegriffen:
Der Hauptmann im Sanitätsdienst a.D. hat eine Selbsthilfegruppe namens
Scarabaeus gegründet. Ziel: Traumatisierten Soldaten zu helfen, den Weg zurück
ins Leben zu finden. "Und mir hilft es, meine Probleme auszu-sprechen", sagt
Sonnenstrahl. Nach offiziellen Angaben leiden nur rund ein Prozent der
Afghanistan-Rückkehrer unter der PTBS. Experten wie der Bundeswehr-Psychiater
Karl-Heinz Biesold gehen aber von deutlich mehr psychisch erkrankten Soldaten
aus, da nur diejenigen erfasst werden, die auch bei der Bundeswehr selbst
behandelt werden. Da aber die meisten die Anfangssymptome nicht ernst nehmen,
bricht die psychische Krankheit oft erst später aus. "Da reicht ein Geruch oder
ein alltägliches Erlebnis, um die schrecklichen Bilder hochzuholen und die
ehemaligen Soldaten in eine Lebenskrise zu stürzen", sagt Biesold. Und unter den
Soldaten werde ohnehin nur selten darüber gesprochen. Und Angst oder Trauer zu
zeigen sei geradezu tabu. Wie bei Bernd Engler. Der 49-jährige
Oberstabsfeldwebel war in der Luftüber-wachung in Kunduz eingesetzt. Immer
wieder war er wie seine Kameraden Raketenangriffen ausgesetzt. Als er zurück in
seinen Dienst nach Deutschland versetzt wurde und das erste Mal wieder vor einem
Radarschirm saß, war er nicht mehr fähig, professionell zu reagieren und konnte
einfach nicht reden. Eine erste Therapie im Hamburger Bundeswehrkrankenhaus
brachte nicht den gewünschten Erfolg. Er wurde immer aggressiver, seine Ehe
droht zu scheitern. Jetzt beginnt er eine zweite Therapie, ebenfalls in Hamburg.
"Ich hoffe sehr, dass ich aus meinen Aggressionen raus komme", sagt Engler. Denn
nicht nur die Ehe, sondern auch sein berufliches Leben droht sonst in die Brüche
zu gehen. Wie bei vielen Rückkehrern aus Afghanistan. Die "37°"-Reportage "Kein
Schritt ohne Risiko" beleuchtet das Leben nach der Rückkehr aus dem Krieg. Wie
werden Soldaten mit ihren Erinnerungen fertig? Finden sie Gehör in einer
Gesellschaft, die selbst seit mehr als 60 Jahren keinen Krieg mehr erlebt hat?
Autor Klaus Balzer begleitet Heinz Sonnenstrahl bei seinem Engagement für
traumatisierte Soldaten und zeigt die Belastungen, denen Sonnenstrahls Beziehung
zu seiner Lebensgefährtin ausgesetzt ist. Er ist zu Hause bei Bernd Engler und
begleitet ihn in seiner zweiten Therapie. Der Film beschreibt, wie sich das
Leben der Soldaten nach Afghanistan verändert hat. "37°" zeigt aktuelle Bilder
aus dem Feldlager der Bundeswehr in Kunduz und schildert, wie Soldaten im
Einsatz mit dem täglichen Risiko und den seelischen und körperlichen
Verletzungen leben. moreless
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Added by: TinkiWinki